Flor Schmidt

Autorin, Trauer- & Lebensbegleiterin

Über Flor Schmidt

Flor ist Autorin, Trauer- und Lebensbegleiterin, Referen-
tin sowie Initiatorin der «JugendLichter».

In der Silvesternacht 2011/12 starb der damals 17-jährige Sohn von Flor Schmidt bei einem Verkehrsunfall. Über diesen Verlust und ihren Weg zurück ins Leben hat sie ein Buch geschrieben:

„Weiter als das Ende – Wie mit dem Tod meines Sohnes etwas
Neues begann.” Seit einigen Jahren begleitet Flor die Initiative  «JugendLichter», Gruppen verwaister Eltern, jeweils durchs Jahr und bietet die Wochenenden «Expedition Leben» sowie Einzelgespräche «Lebendige Trauer» an.

or kennt den Schmerz, die Fragen, die Sehnsucht und die Verzweiflung. Sie stellt ihr Konzept zur Verfügung, welches sich aus der tiefen und immerwährenden Auseinandersetzung mit diesem Thema speist und durch Selbstreflexionen, Aus- und Fortbildungen immer weiterentwi-
ckelt wird. Ihr Angebot besteht aus Tools und Techniken, die helfen können, nach dem Weg durch die Trauer, wieder ins Leben zu finden. Ihre Kompetenzen liegen in der Verbindung und Unterstützung einer Gemeinschaft. Denn Tod und Trauer zu begreifen und anzuschauen, gelingt nur, wenn wir uns gegenseitig stützen und begleiten.

eine Frage an Flor ...

ein Auszug aus dem Buch

Hast du Angst vor dem Tod?

Ob ich Angst vor dem Tod habe? Ehrlich gesagt kann ich das gar nicht so einfach beantworten, weil es diesbezüglich kein statisches Gefühl in mir gibt.

Ich glaube das Maß an dem ich ersehen kann, wieviel Angst ich vor dem Tod habe, zeigt sich daran, wie ich gerade lebe und welche Parameter ich derzeit in mein Herz und in meine Gedanken lasse. Überwiegen Zweifel und Besorgnis, sehe ich dem Leben ängstlich entgegen. Sie können mich beschweren und mich glauben lassen, dass ich das Leben nicht schaffen kann. Dann wage ich nichts, versuche mich zu schützen und habe Angst um meine Liebsten. Je ängstlicher ich auf Grund dessen werde, desto mehr fürchte ich mich auch vor dem Tod, der ja immer am Ende die logische Konsequenz des Lebens darstellt.

Wenn ich mich dem Leben aber öffne, lebendig und mutig bin, überwiegen Liebe und Vertrauen. Folglich bestimmt ein tiefer Glaube und ein innerer Frieden mein Herz, und ich fürchte den Tod nicht mehr, sondern kann ihn als letzten Begleiter akzeptieren, wann immer er aufzutauchen gedenkt.

Zusammenfassend kann ich also sagen, dass ich mich in dem Ausmaß, in dem ich mich fürs Leben zu öffnen vermag und mich nicht davor fürchte, auch für die Möglichkeit eines potentiellen Todes öffnen kann.

Natürlich fühle ich mich nicht für alles gewappnet und vielleicht kann ich auch nicht alles schaffen, was ich mir im Leben vorgenommen habe. Aber ich trage gerade durch die Erfahrung des Verlustes durch den Tod, die Hoffnung im Herzen, dass ich getragen und verbunden bin, und sowohl im Leben als auch im Tod niemals alleine sein werde.

Wie stellst du ihn dir vor – eher männlich oder weiblich?

Eigentlich begreife ich den Tod weniger als Person, weder männlich, noch weiblich, ich verstehe ihn eher als Zustand, als ein Sein. Viele Menschen haben schon davon berichtet und das, was sie erzählen, hört sich für mich nicht bedrohlich an. Sie beschreiben den Tod als eine lichte und liebevolle Heimat und markieren gerade ihn als unser eigentliches Zuhause. Wenn ich ihn aber vermenschliche und ihn mir vorzustellen versuche als jemanden, der mir meine Liebsten wegzunehmen vermag, dann stelle ich ihn mir eher männlich vor. Aber das, so nehme ich an, ist vielleicht größtenteils meiner Erziehung und meiner frühkindlichen Prägung geschuldet.

Gab es schon einmal in deinem Leben eine Situation, in der du dem Tod näher warst als dem Leben?

Ja es gab schon einmal so eine Situation, und zwar vor mehr als 9 Jahren, als mein älterer Sohn Nicolai in der Silvesternacht von einem Auto angefahren und tödlich verletzt wurde. In dieser Nacht starb ein Stück weit auch ich. Ich starb zwar nicht körperlich, aber irgendetwas in mir ging mit ihm in die andere Welt.

Wie hat dich das verändert?

Ich hatte eine Nachtoderfahrung, das heißt, ich habe selbst erfahren, dass es noch mehr gibt als unser irdisches Sein. Im Gegensatz zu einer Nahtoderfahrung, bei der Menschen berichten, gestorben zu sein und eine himmlische oder göttliche Erfahrung gemacht zu haben, erlebte ich, dass der Himmel zu mir auf die Erde kam. Neben dem unendlich tiefen Schmerz, den ich spürte, fühlte es sich so an, als würde er all seine Liebe ausschütten und ich stand direkt darunter. Diese Erfahrung wirkte fortan auf mein ganzes weiteres Leben. Sie gab mir die Kraft weiterzugehen, den Tod und die Trauer anzuschauen, sie auszuhalten und mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Sie bestärkte mich, eine Trauergruppe, die JugendLichter, zu gründen, ein ehrenamtliches Angebot für verwaiste Eltern, die ihre Kinder nach einem Unfall, einer Krankheit oder einem Suizid verloren haben. Und sie beseelte mich für mein Buch „Weiter als das Ende – Wie mit dem Tod meines Sohnes etwas Neues begann“. Ein weiteres Buch ist bereits in Bearbeitung. Ich möchte aber nicht nur die Dinge hervorheben, die ich dadurch ins Leben rufen konnte. Die Nachtoderfahrung wirkte auch im Detail, sie gab vielen Momenten eine neue Wertigkeit, eine Schönheit und einen Sinn und sie bewirkte gleichsam, dass sich über Vieles was mir im Leben begegnete, das Gefühl einer tiefen Dankbarkeit zu legen begann.

Glaubst du an eine Art Leben nach dem Tod?

Ja, daran glaube ich. Ich war schon vor Nicolais Tod davon überzeugt. Viele Jahre durfte ich eine Heilerin in der Schweiz besuchen. Sie war ein wunderbarer Mensch. Leider ist sie vor ein paar Jahren verstorben. Eigentlich kam ich wegen meiner starken körperlichen Schmerzen zu ihr, weil mir sonst niemand mehr weiterhelfen konnte. Aber sie heilte in mir weit mehr als nur meinen Körper. Sie hatte eine unglaublich schöne Energie und Ausstrahlung. Ich kam immer schon einige Minuten früher zu meinem Termin, um im Wartezimmer in diesen Schwingungen zu baden. Das hört sich vielleicht etwas merkwürdig an und ich wüsste auch nicht, ob ich es glauben würde, wenn mir jemand so etwas erzählte. Aber ich durfte es erleben. Der Nachtodkontakt nach dem tödlichen Unfall meines Sohnes hat diese Wahrnehmung natürlich noch bestärkt.

Wobei fühlst du dich besonders lebendig?

Lebendig zu sein ist ein Gefühl, das sich zwar im Inneren manifestiert, aber im gegenwärtigen Moment durch den Körper mit all seinen Sinnen seinen Ausdruck finden kann.

Dennoch bedarf es einer Öffnung nach außen, um immer dann, wenn das Leben ruft, präsent zu sein, zu fühlen, zu lieben und zu lachen.

Vielleicht ist es nur ein kurzer Moment, in dem das Licht der Sonne über meine Wange streicht, ein kleines Lächeln mich berührt oder die Klänge der Musik die Welt erfüllen, bunt und schön.

Dann bin ich lebendig, fühle das Glück an meiner Seite und tanze zusammen mit der Freude durch die Welt.

Vielleicht ist es nur ein kurzer Augenblick, in dem ich fröhlich bin. Aber es ist ein Moment, der Kraft und Liebe gibt, genug, um für den nächsten erforderlichen Schritt lebendig zu sein.

Möchtest du mehr über Flor erfahren?

Mehr über ihre Geschichte, Philosophie und ihren Weg findest du unter:

Weiter als das Ende

„Als ihr 17-jähriger Sohn durch einen Verkehrsunfall ums Leben kommt, erlebt Flor Schmidt, dass die Extreme des Lebens oft unfassbar nahe beieinander liegen: Tod, Entsetzen und Schmerz auf der einen, Gnade, Glück und Liebe auf der anderen Seite. Auf ihrem Weg durch die Trauer sucht sie nach Antworten, die es nicht geben kann, und findet schließlich etwas, das viel wertvoller ist: eine intensive innere Verbindung zu ihrem verstorbenen Sohn, die ihr hilft, das Leben so annehmen und lieben zu können, wie es ist. Und das Vertrauen, dass der Tod nicht nur ein Ende, sondern auch ein neuer Anfang sein kann.“

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