Sehnsucht Vergangenheit
bewusstes Leben,  die Trauer

Was, wenn alles wieder wie früher ist?

Geht es Dir manchmal auch so? Du hattest ein Erlebnis, welches Du unbedingt teilen willst? Oder Du kaust ein Thema immer wieder in Gedanken durch und kommst einfach zu keinem Ergebnis? Was würdest Du für einen guten Rat und ein offenes Ohr einer von Dir geliebten Person geben? Die naheliegende Reaktion ist bei mir in diesem Fall, direkt zum Hörer zu greifen und die geliebte Person anzurufen. Doch was, wenn die Person nicht mehr hier bei Dir ist?  Vielleicht hast Du sogar das Telefon geholt, doch beim Wählen der Nummer durchzuckt Dich die schmerzende Erkenntnis wie ein Blitz. Per Telefon kannst Du die geliebte Person nicht mehr erreichen.

Eine Gefühlsachterbahn nimmt Dich mit auf die Fahrt. Was würdest Du jetzt dafür geben, wenn alles wieder so wie früher wäre? Keine unerreichbar hohen Hindernisse Dir die vermisste Stimme vorenthalten und ein simples Telefon für ein Gespräch reichen würde. Am Anfang, als mein Gehirn diese Endgültigkeit noch nicht verstehen konnte, habe ich ganz oft die Nummer meiner Mutter gewählt. Leider klingelte das Handy dann jedoch in meinem eigenen Büro. Gefühle des Unverständnisses, der Wut und Ungerechtigkeit, wahre Wellen der Trauer überrollten mich dann. Inzwischen hat mein Gehirn das Unbegreifliche wohl verstanden und wählt die Nummer nicht mehr. Der Impuls ist jedoch geblieben. Wann immer grosse Lebensthemen anstehen, Entscheidungen getroffen werden wollen und guter Rat teuer ist, überkommt mich der starke Impuls nach dem Rat meiner Mutter.

 

Prägende Gefühle: Last oder Geschenk?

Wenn Du eine Person verloren hast, auf deren Weisheit und Liebe Du stets vertraut hast, ist dieser Verlust immens. Inzwischen schaffe ich es persönlich in diesen Momenten sehr gut, mich von der Trauer nicht mehr total einnehmen zu lassen. Der Spagat zwischen rettendem Ufer und tosendem Abgrund ist jedoch ein Balanceakt. Mein grosster Antrieb ist meine Autonomie, da ich in meinem Leben so wenig Abhängigkeiten wie möglich beherbergen will. Auch nicht durch Etwas, was viel grösser ist, als dass ich es jemals komplett verstehen könnte.

Diese Entscheidung hat eine wichtige Erkenntnis in mein Leben gebracht: Wenn ich die vermisste Person und ihren Rat in meinem Leben möchte, gehe ich mit ihr in das direkte Zwiegespräch. Dazu benötige ich zwar kein Telefon, manchmal hilft mir jedoch ein stiller Ort, an dem wir uns austauschen können. So bleibe ich natürlich traurig und wehmütig, geniesse aber gleichzeitig das schöne Gefühl der stärkenden und direkten Worte.

Gleichzeitig erinnere ich mich immer wieder daran, dass ich mit mir selbst diesen wertschätzenden Umgang pflegen kann. Indem ich mit und zu mir solche netten Worte und gute Ratschläge teile, welche ich früher im Aussen bekommen habe. In Situationen, bei denen ich die Impulse bereits Verstorbener wünsche, tut es mir so gut, sie in mir weiterleben zu lassen. Vielleicht kann dieses Vorgehen auch Dir helfen, der überwältigenden Kraft der Trauer zu begegnen und Dich nicht von ihr dominieren zu lassen.

 

 

Wer trifft die Entscheidungen? Du oder die Trauer?

Die Entscheidung, wie Du mit ihr umgehst, liegt alleine bei Dir. Sie wird immer den Raum einnehmen, welchen sie erhält und Du ihr einräumst.

Ich wünsche Dir viel Achtsamkeit im Umgang mit Dir selbst.

Alles Liebe.
Sabrina

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