Schock Trauer Blog
die Trauer

Welche Einflüsse kann ein Schock auf Deine Gefühlswelt haben?

Vor einiger Zeit hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer Freundin. Nennen wir sie Lilly.

Wir haben uns einige Monate nicht gesehen, denn wie es manchmal so kommt im Leben, wird man ab und an ganz schön durchgeschüttelt. So erhielt der Vater von Lilly vor einigen Wochen die Diagnose Krebs. Die ganze Familie stand natürlich unter Schock, weinte und wusste im ersten Moment nicht, was nun auf sie zukommt. Diese Form von Krebs kann nicht operiert, sondern nur per Chemotherapie in Schach gehalten werden. Die Behandlung startete natürlich ziemlich rasch nach der Diagnose.

Große Erleichterung machte sich breit, denn der Vater von Lilly sprach gut darauf an und litt unter keinen nennenswerten Nebenwirkungen. In seinem Alltag ist der Krebs nicht direkt spürbar. Natürlich sollte er während der Chemo grosse Menschenansammlungen meiden und wer erkältet ist, verzichtet auf einen Besuch bei ihm. Jedoch würdest Du ihm seine Erkrankung ebenso wenig ansehen, wie es seine Familie tut. Er ist frei von Symptomen und soweit ganz der alte Papa von eh und je.

Alles beim Alten – oder etwa doch nicht?

Wie wunderbar, war also mein erster Gedanke während unserem Austausch. Doch Lilly gestand mir, fast ein wenig peinlich berührt, ein Phänomen, welches ich so von der Trauer gut kenne. Nach dem ersten Schock, welcher vom Verstand nicht einzuordnen ist, brach direkt Hektik und Chaos aus. Whatsapp-Gruppen wurden organisiert und jede Bewegung des Vaters analysiert. Bereits nach kurzer Zeit läuft nun jedoch der Alltag wieder fast in den gleichen geordneten Bahnen wie zuvor.  Der Verstand denkt sich jedoch immer wieder «Huuuch, was ist denn nun los?»

Es ist doch etwas ganz Schlimmes passiert, wie kann sich da im Aussen alles gleich anfühlen wie immer. Die Zukunft scheint jedoch plötzlich unter einem Damoklesschwert, welches da früher keinen Platz hatte. In steter Vorsicht, vor dem was alles passieren kann, schleicht sich eine neue Normalität ein. 

 

Tränen

 

Ein verwirrendes Gefühl.

 

Am Anfang ist da einfach nur der Schock. Die Information, dass die geliebte Person nicht zurückkehren wird, ist unvorstellbar und kann vom Verstand nicht eingeordnet werden. Da gibt es plötzlich viele Dinge, welche zu regeln sind. Im besten Fall wurden diese im Vorfall besprochen und das Vorgehen ist soweit klar. Meistens gibt es jedoch viele offene Fragen und unendlich viele Entscheidungen zu treffen. Die Bürokratie scheint grenzenlos. Mit der Zeit kehrt langsam wieder ein wenig Ruhe ein. Der Verstand beginnt in kleinen Schritten zu begreifen, was hier vorgefallen ist. Dass nichts mehr wird, wie es einmal war.

 

Schneller als Du schauen kannst, ist der Alltag wieder da.

 


Alle um Dich herum, hatten keinen Standby-Knopf, welcher ihr Leben für einen geraumen Zeitraum auf «Snooze» gestellt hat. Ihr Leben hat sich weitergedreht. Freudige Ereignisse wie Geburten, Hochzeiten, Geburtstage, Umzüge, neue Jobs, kurz das Leben, stehen vor der Tür. Du wirst langsam wieder Teil davon und mit eingeladen, jedoch fühst Du Dich in Deinem alten Umfeld irgendwie anders, komisch. Wie ein Magnetfeld scheinst Du die Energie der anderen zu beeinflussen….

Und irgendwie ist da immer die Vorsicht und eine gewisse Angst mit im Boot. Plötzlich musstest Du erfahren, dass schlimme Dinge einfach passieren. Deine Entscheidungen werden vielleicht von Deinen Erfahrungen beeinflusst und Dir fehlt die unbekümmerte Unvoreingenommenheit von früher. 

 

Dieses Gefühl, welches Betroffene nach einem Verlust, bei Krankheit oder Trauer vom Leben zu trennen beginnt, ist Teil meines Antriebs für mein Tun. Wenn auch Du bewusst wahrnimmst, was in Deinem Umfeld vor sich geht und ehrlich aussprichst, wenn Dir die Worte fehlen und Du überfordert bist, kann sich in der Trauerarbeit etwas nachhaltig verändern.

Ein offener Umgang unterstützt trauernde Menschen dabei, aus der Isolation zu kommen und wieder ein Stück Verbindlichkeit zu erfahren.

Ich wünsche Dir viele achtsame Momente mit Dir selbst und îm Umgang mit Deinem Umfeld.

Alles Liebe.
Sabrina

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