Endlichkeit Sabrina Steiner
bewusstes Leben,  die Endlichkeit

Hast Du alle Zeit der Welt?

«Das ist doch bestimmt schwer», höre ich oft. Viele Menschen wundern sich, wie ich es als lebensfroher Mensch schaffe, mich täglich mit dem Tod und seinen Wirkungen zu beschäftigen. Tatsächlich ist es so, dass kein Thema und keiner meiner Jobs mich bisher so bereichert und erfüllt hat, wie meine Beschäftigung mit Fragen rund um den Tod, Trauer- und Sterbebegleitung. Es ist so unendlich wertvoll, die Endlichkeit und ihre Fragen als Wegweiser fürs Leben nutzen zu dürfen. Menschen in der schweren Zeit der Trauer etwas Unterstützung anbieten zu können. Beim Abschiednehmen und reflektieren, bei Übergängen und Neuanfängen, bei all dem voller Liebe ein Teil des Lebenszyklus zu sein.

 

In der Regel wird der Gedanke an den Tod in unserer Gesellschaft verdrängt.

 

Pläne verschieben sich immer wieder auf später. Auch ich kenne dieses Phänomen nur zu gut aus eigener schmerzlicher Erfahrung. Wir denken, irgendwann wird sie kommen, die richtige Zeit zur Umsetzung aller Wünsche und verschobener Ziele und Wünsche. Ebenso wirst Du es dann bestimmt auch schaffen, wertvolle Stunden mit Deinen Liebsten zu verbringen. Davon bist Du überzeugt. Obwohl täglich verrückte Dinge geschehen, welche Dich vom Gegenteil überzeugen könnten, hältst Du an dieser Überzeugung fest. Der Tag, an dem sich alles auf magische Weise verändern wird, wartet auf Dich, garantiert. Doch woher nimmst Du diese Gewissheit? Geliebte Menschen werden krank. Du hörst von Unglücken, welche in Deiner Umgebung und überall auf der Welt geschehen. Rentner, welche sich zuvor jahrzehntelang auf ihren verdienten Ruhestand gefreut haben, sterben am ersten Tag ihres neuen Lebens an einem Herzstillstand. Alles Menschen, welche vielleicht ebenfalls ihr Leben in vollen Zügen geniessen wollten, wenn der richtige Zeitpunkt dazu gekommen ist.  In der vermeintlich sicheren Annahme, dass noch unendlich viel Zeit zur Verfügung stehen wird. Irgendwann.

 

 

Unerwarteter Tod?

Bist Du ehrlich mit Dir selbst, ist Dir wohl bewusst, dass es einen unerwarteten Tod gar nicht gibt. Denn tatsächlich trifft er uns alle irgendwann. Dich, mich und alle unsere Liebsten. Sobald wir auf dieser Welt sind, haben wir keine Garantie für irgendetwas. Die Gewissheit irgendwann zu sterben vereint uns jedoch alle und ist das Einzige, was in unserem Leben feststeht. Wir gehen dennoch davon aus, auf wundersame Weise von dieser Tatsache verschont zu bleiben. Anders kann ich mir nicht erklären, wie wir auf die Idee kommen unser wertvollstes Geschenk auf später zu verschieben: das Leben.

PR Basel Sabrina Steiner

 

Ihm gegenüber verhalten wir Menschen uns fast überheblich. Vollkommen überzeugt davon,  die Zügel selbst in der Hand zu halten. Unvorstellbar, wenn Du genauer darüber nachdenkst. Dennoch verstehe ich Dich absolut. Mir ging es sogar genau gleich. Du magst Dich nun fragen, was mich dazu bewogen hat mich mit meiner Endlichkeit auseinander zu setzen? Mir meines Lebens bewusst zu werden und es aktiv selbst in die Hand zu nehmen? Es so zu gestalten, dass es für mich und zu mir passt?

 

Ja, Du vermutest richtig: Meiner Geschichte gehen dunkle Stunden voraus. Tage, an denen ich es kaum geschafft habe, mich zu duschen. Von Aktivitäten ausserhalb des Hauses mal gänzlich abgesehen. Nach dem Verlust meiner Mutter, der kurz danach ausgesprochenen Kündigung durch meinen Arbeitgeber und den Tod meines Grossvaters innert sechs Wochen, haderte ich selbst ganz schön mit der Realität. Versuchte das Leben weiter wie Kaugummi auszudehnen und schob meine Entscheidungen für ein individuelles Leben vor mir her. Kehrte zurück in den bekannten Alltagstrott und hielt weiterhin durch, auch wenn sich alles falsch angefühlt hat.

 

Ein Jahr später starb mein Schwiegervater. Krebs. Drei Wochen von Diagnose bis Tod.

 

Wie beim Tod meiner Mutter fühlte ich mich vom System im Stich gelassen. Hilflos, überfordert, ohne Halt und fern von Sicherheit, kämpfte ich pausenlos – wenn auch klein und machtlos. In diesem Moment fasste ich den Entschluss: Hier muss sich was ändern! Da erkannte ich, dass nur ich es in der Hand habe, wie ich mich fühle. Ob ich alles mit mir geschehen lasse und überzeugt bin, alleine durch dunkle Täler schreiten zu müssen. Oder ob ich mir Unterstützung hole, wenn meine Kräfte zu schwach sind, um mich zur Wehr zu setzen. Wieder aufzustehen, weiterzugehen, neu zu beginnen.

 

Meine Sicht auf das Leben und jeden einzelnen Tag, hat sich seither komplett gewandelt. Mit einem Finger an der Pausetaste spürte ich damals, dass wir gemeinsam viel stärker sind als jeder für sich. Jede einzelne Sichtweise kann dazu beitragen, das grosse Bild entdecken zu können. Die magische Energie der Liebe ist es, welche über die Kraft verfügt, Situationen zu verändern.

 

Fazit:

Was Dir im Leben passiert, kannst Du maximal zu einem kleinen Prozentsatz beeinflussen. Wie Du damit umgehst, hast Du jedoch komplett selbst in der Hand.

Meine Entscheidung fiel zugunsten des Glücks aus.
Wie entscheidest Du Dich?

Alles Liebe.
Sabrina

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